Dienstag, 22. Juli 2008

7. Hamburger Ideen-Salon - Obolus

Sie stehen in der Schlange im Supermarkt. Langsam rücken Sie vor zur Kasse. Während Sie Ihre Einkäufe aufs Band legen, reißen Sie gedankenverloren einen Obolus-Bon vom Block nahe der Kasse. Die Kassiererin nennt Ihnen den Preis von 23,72 EUR und dankt Ihnen für Ihre Spende. Sie zahlen 23,80 EUR und freuen sich, so einfach einen kleinen Beitrag zu einer guten Sache geleistet zu haben.

image[32] So stellt sich Loring Sittler, Berlin, der Ideeninhaber des Ideen-Salons vom 10. Juli 2008, die Zukunft des Einkaufs im Einzelhandel vor: Millionen Menschen spenden jeden Tag während Ihrer Einkäufe im Supermarkt, im Drogeriemarkt, im Blumengeschäft, im Kaufhaus usw. Millionen "im Vorbeigehen" Kleinstbeträge zwischen 1 und 9 Cent. Beim Bezahlen gestatten Sie dem Geschäft einfach, den zu zahlenden Betrag auf die nächsten vollen 10 Cent aufzurunden. Die Differenz zwischen dem zu zahlenden Preis und dem aufgerundeten Betrag leitet das Geschäft dann zu 100% als Spende weiter.

Loring Sittler hat dieses Konzept unter dem Namen "Obolus" im Auftrag eines großen Einzelhändlers entwickelt. Vor seiner Umsetzung wollte er jedoch noch das Feedback des Ideen-Salons einholen. Seine Frage: Wie schätzen die Teilnehmer des Ideen-Salons das Potenzial dieses Weges zur Spendengenerierung ein? Zu gewinnen ist laut Loring Sittler ein Spendenvolumen im zwei- und dreistelliger Millionenhöhe.

image[28] Das erste Feedback der Teilnehmer war sehr positiv. Alle konnten sich vorstellen, in dieser Weise sehr einfach und sehr häufig zu guten Zwecken beizutragen. Solange der Prozess an der Kasse unkompliziert ist, fällt es leicht, einen Kleinstbetrag abzugeben. Der Nutzen liegt ja auch nicht nur in einem guten Gewissen, sondern auch in einem nicht mehr so kleingeldbeschwerten Portemonaise.

Interessanterweise ist das aber auch der Antrieb hinter der Obolus-Initiative. Sie ist nicht geboren aus einem plötzlich erwachten Gutunternehmertum des Einzelhandels, sondern aus dem Willen, den Umgang mit Kleingeld zu reduzieren. Kleingeld kostet den Einzelhandel viel Geld, wie die Ideen-Salon Teilnehmer erfuhren. Es muss transportiert werden, es muss gezählt werden, es muss bestellt werden, es führt leicht zu Unstimmigkeiten in der Kasse usw. Das eingenommene Geld erzeugt also Kosten; und Kosten möchte jeder Unternehmen reduzieren.

Ein Weg wären da konsequent glatte Preise und damit quasi die Abschaffung des Kleingeldes.  Ein anderer Ansatz würde versuchen, den Prozentsatz der Bezahlungen per Karte zu erhöhen. Beiden Wegen stehen jedoch Hindernisse im Weg, vor allem psychologische. Käufer lassen sich gern mit "krummen" Preisen locken und sind gerade in Deutschland noch sehr darauf fixiert, ihr sauer verdientes Geld auch handfest in der Börse mitzuführen.

Das Obolus-Konzept scheint in dieser Situation ein dritter Weg zu sein, der das Nützliche - Reduktion der Kleingeldkosten - mit dem Angenehmen - ruffördernde Spendengenerierung - verbindet. Loring Sittler hat deshalb Obolus auch unter der Überschrift "Corporate Social Responsibility" (CSR) vorgestellt: der Einzelhandel würde sich mit der Einführung von Obolus für gute Zwecke einsetzen.

image[30] Das haben die Teilnehmer des Ideen-Salons verstanden und auch honoriert - dennoch hatte das Konzept einen störenden Beigeschmack für sie. Für sie bedeutete echte CSR, dass ein Unternehmen nicht nur die Generierung von Spenden unterstützt, sondern selbst auch spendet. Im Konzept von Obolus war eine Spende des Einzelhandels selbst jedoch nicht vorgesehen. Der reduziert nur seine Kosten, fungiert als Promoter der Initiative, leitet die Spenden der Käufer weiter - und steht medienwirksam auf der Bühne, wenn Spenden an die Empfänger bzw. ihre Vertreter übergeben werden.

Bei aller Zustimmung zur Form, in der Obolus Spenden generiert, und bei allem Willen, mitzumachen, war den Teilnehmern diese Verteilung der Spendenlast dann am Ende doch zu unfair. An diesem Punkt entzündeten sich die Gemüter - allerdings ohne einen Konsenz zu erreichen. Loring Sittler musste nach intensiver zweistündiger Diskussion leider schon wieder zurück nach Berlin reisen. Der Ideen-Salon hofft dennoch, dem Grundgedanken von Obolus geholfen zu haben - auch und gerade durch die kritischen Einwände auf dessen CSR-Etikett. Wir sind gespannt, ob Obolus im Jahr 2009 eingeführt wird, wie Loring Sittler es sich wünscht.

Mittwoch, 2. Juli 2008

Ajkooshi wird zu ZielKohärenz

Der Ideen-Salon im April zum Thema "Wünsche erfüllen" hat Wirkung gezeigt. Die Ideeninhaber haben das Feedback und ihre eigene Einschätzung des Workshops auf sich wirken lassen... und gehandelt.

Das Team besteht jetzt nur noch aus Gertrud Plagge und Ralf Westphal. Manuela Beyer konzentriert sich zunächst auf den Aufbau eines eigenen Konzepts, um Menschen an ihr künstlerischen Potenzial heranzuführen.

image Gertrud und Ralf haben inzwischen einen zweiten "Sondierungsworkshop" in München veranstaltet. Das Feedback aus dem Ideen-Salon ist eingeflossen und hat zum Beispiel dazu geführt, dass die Teilnehmer stärker mit Einführungen in die einzelnen Schritte geführt wurden. Auch wurde die Pastellfarbe für die symbolische Aufstellung des Ist-Zustands (Externalisierung) durch eine Collage ersetzt, um den Einstieg in den kreativen Umgang mit inneren Bildern nicht durch ein ungewohntes Medium zu erleichtern.

image Die Form der Reflektionsrunden wurde ebenfalls verändert und stärker geführt, so dass keiner der Teilnehmer sich unangenehm berührt fühlte. Dennoch bleibt dieser Aspekt im Feedback hinter den Erwartungen zurück. Hier gilt es weiter am Konzept zu feilen.

In jedem Fall aber sind Gertrud und Ralf guten Mutes und wollen nun ihre Methode öffentlich anbieten. Dafür haben sie den Kunstnamen "Ajkooshi" allerdings aufgegeben und durch einen sprechenderen ersetzt: In "ZielKohärenz" steckt sowohl das, worum es geht - Ziele erreichen -, wie auch das Mittel, um sie zu erreichen - ein kohärentes Kraftbündel aus Denken und Fühlen.

Gertrud und Ralf sagen Danke an den Ideen-Salon für seine "Geburtshilfe"!